Im Portrait: Reinhard Tritscher

Von der Ramsau in die weite Welt und wieder zurück

Reinhard Tritscher war der erste Skirennläufer aus der Region, der es zu Weltcupehren brachte.

 

In den 60er- und 70er-Jahren zählte Reinhard Tritscher zu den Ausnahmetalenten im internationalen Skirennsport. Als einer der wenigen dieser Zeit schaffte er es, in allen damals bestehenden Disziplinen siegreich zu sein. Er zählt somit zu den wenigen, ganz großen Allroundern.

Dem Schnee und seinen „zwei Brettel’n“ ist er auch nach seiner aktiven Laufbahn stets treu geblieben, auch wenn er sie heute lieber für Skitouren anschnallt.

Reinhard Tritscher (c)TVBRamsau (1)

 

Ein Talent wird erkannt

Das Skifahren begleitet Reinhard Tritscher von Kindesbeinen an. Der heute 67-Jährige erinnert sich noch genau an seine ersten Skier, die er von seinen älteren Geschwistern übernommen hat. „Angefertigt wurden sie von unserem Vater. Der war Zimmermann und handwerklich sehr geschickt. Auch mit meinem älteren Bruder Hans bastelte ich so einiges an den Skiern herum“, erinnert sich Reinhard. Vermutlich war dies einer der Gründe, weshalb Reinhard bereits in jungen Jahren seinen Konkurrenten bei den meisten Skirennen immer um einige Zehntelsekunden voraus war.

Bei aller Leidenschaft zum Rennfahren war es für Reinhard dennoch wichtig, eine ordentliche Ausbildung an-zustreben. Deshalb besuchte er nach Beendigung seiner Pflichtschulzeit die Bundesfachschule für Maschinenbau in Hallein. „Es war keine leichte Zeit, da man Schule und Skifahren unter einen Hut bringen musste. Aber ich bin froh über diese Ausbildung. Sie kommt mir oft heute noch zugute“, ist Reinhard überzeugt.

Von Erfolgen und Rückschlägen

Reinhard Tritscher beherrschte wie kein anderer einen extrem kurzen Slalomschwung. Mit dieser Begabung machte er bereits in jungen Jahren als außerordentliches Talent auf sich aufmerksam. Bald folgte ein erster, wertvoller Meilenstein in Richtung Karriere als Skirennläufer: Reinhard siegte bei österreichischen Jugendmeisterschaften.

Dieser Titel bedeutete zugleich die Aufnahme in den österreichischen Jugendkader und später in den B-Kader, dem der damals 18-Jährige ab dem Jahr 1964 angehörte. Den Sprung in die österreichische Nationalmannschaft schaffte Reinhard im Alter von 21 Jahren, nachdem er 1968 noch österreichischer Meister im Riesenslalom wurde.

Sportliche Größen aus dieser Epoche, wie Karl Schranz, Gerhard Nenning, Jean-Claude Killy, Gustav Thöni – später noch Franz Klammer und David Zwilling – zählten ab diesem Zeitpunkt zu Reinhards stärksten Konkurrenten.

Im Jahr 1969, am Höhepunkt seiner Karriere, verhinderte eine Reihe von Verletzungen die weitere sportliche Karriere des sympathischen Ramsauers. „Der Weg zurück war sehr hart, doch ich schaffte es erneut an die Spitze“, erzählt Reinhard und fügt mit sichtlichem Stolz hinzu, welche Genugtuung es war „die Abfahrt in Val d’Isere nach eineinhalb Jahren verletzungsbedingter Pause gewonnen zu haben“. Das Skitalent war wieder zurück.

In Summe schaffte Reinhard Tritscher in seiner Karriere 36 Top-Ten-Platzierungen, darunter acht Podestplätze und vier Weltcupsiege in den Disziplinen Slalom, Riesenslalom und Abfahrt. Bei den olympischen Winterspielen 1972 in Sapporo erkämpfte Tritscher den achten Platz.

Seine Karriere musste Reinhard Tritscher im Alter von nur 29 Jahren beenden. Ausschlaggebend für dieses frühe Aus war abermals eine schwere Verletzung.

Reinhard Tritscher war der erste Skirennläufer aus der Region, der es zu Weltcup-ehren brachte. Fragt man ihn heute nach seinen schönsten Erfolgen aus dieser Zeit, so werden viele angenehme Erinnerungen wach: „Für mich zählen alle Weltcupsiege. Ich war damals einer der wenigen, die in jeder Disziplin gewinnen konnten. Mit jedem dieser Siege verbinden mich ganz besondere Erinnerungen.“

Als außerordentlichen Höhepunkt in seiner sportlichen Laufbahn bezeichnet Reinhard dennoch den Sieg in der Abfahrt von Val d’Isere 1972 – vor Größen wie Bernhard Russi oder Franz Klammer.

Reinhard Tritscher Steckbrief

 

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Der schönste Platz ist doch daheim

Gerade weil Reinhard Tritscher in seinem Leben viel von der Welt gesehen hat, schätzt er aus Überzeugung seine Heimat Ramsau am Dachstein. Hier ist sein Geburtsort, hier bewohnt er gemeinsam mit seiner Frau ein Haus, von dem er den Ausblick auf den Dachstein und die Tauern genießen kann. Nirgendwo sonst gibt es für ihn einen Ort, der ihm so viel bietet und bedeutet.

Heute hat der einstige Spitzenrennläufer das Alpinskifahren nach eigenen Aussagen beinahe gänzlich an den Nagel gehängt. Dem Schnee und der Natur ist er dennoch treu geblieben. Mit Freude erzählt Reinhard über sein jetziges Hobby, das Tourenskigehen. „Der Sport fasziniert mich. Das Gehen, die Bewegung, die Natur gefällt mir und es hält mich fit, das genieße ich“.

An die 500 Mal war Reinhard bislang zu Fuß oder mit Tourenskiern auf „seinem“ Hausberg, der Scheichenspitze. Denn das Panorama fasziniert ihn dort immer wieder aufs Neue.